Bioethanol: Alkohol war noch nie die Lösung

Das sollten Sie besser nicht tanken (Foto: www.pixelio.de).

Der Gedanke, mit Alkohol zu fahren, hat durchaus Charme. Allerdings sollten Sie nicht Ihren Whisky-Vorrat in den Tank kippen und los düsen. Bioethanol heißt der Kraftstoff fürs Auto, der aus Zuckerrohr, Zuckerrüben, Mais, Weizen oder Holz gewonnen wird. Er wird in Europa als »E 85« – einem Gemisch aus 85 Prozent Ethanol und 15 Prozent Benzin – angeboten und kann nur in sogenannten Flexifuel-Fahrzeugen verwendet werden. Nur wenige Hersteller bieten solche Fahrzeuge an. Auf dem Markt spielen solche Fahrzeuge entsprechend keine Rolle.

Seit 2007 wird Bioethanol herkömmlichem Benzin beigemischt. Bis Ende 2010 stieg der Anteil auf bis zu fünf Prozent. Seit 2011 ist eine Beimischquote von bis zu zehn Prozent möglich, infolge dessen die neue Kraftstoffsorte E10 eingeführt wurde. Dies schlug hohe Wellen in der Öffentlichkeit und verunsicherte viele Verbraucher massiv. E10 wird nach wie vor nur sehr zögerlich angenommen, obwohl über 90 Prozent aller Benziner es gefahrlos tanken können. Die Skepsis vieler Fahrer beruht vor allem auf der Sorge, dass ihr Fahrzeug den neuen Kraftstoff nicht verträgt. Alle Neuwagen können jedoch problemlos mit E10 fahren. Bei älteren Fahrzeugen rät der VCD dazu, sich über die Verträglichkeit zu informieren. Wenn Ihr Fahrzeug E10 verträgt, sollten Sie es auch tanken. Alle wichtigen Fakten zu E10 finden Sie hier.    

Tanken und Kosten

E 85 bekommen Sie in Deutschland bisher an etwa 350 Tankstellen. Allerdings steckt in einem Liter E 85 etwa ein Drittel weniger Energie als in Benzin. Ein so betankter Wagen verbraucht entsprechend mehr. Bioethanol ist noch bis 2015 von der Energiesteuer befreit, kostet energiebereinigt aber jetzt schon mehr als herkömmlicher Ottokraftstoff. Mit der zunehmenden Beimischung von Ethanol zu fossilem Benzin, verliert der »Reinkraftstoff« E85 allerdings an Bedeutung.

E10 wird fast flächendeckend in Deutschland angeboten. Auch hier gilt, dass sich der Verbrauch durch den geringeren Energiegehalt erhöht. Da aber den Ottokraftstoffen bisher schon bis zu fünf Prozent Ethanol beigemischt wurden, ist der Mehrverbrauch vernachlässigbar. E 10 ist die günstigste Ottokraftstoffsorte.

Umwelt

In Deutschland wird Bioethanol hauptsächlich aus Weizen gewonnen. Allerdings ist die Produktion energieaufwändig und teuer. Ein Großteil des in Deutschland getankten Bioethanols wird aus Südamerika importiert, weil es dort billiger aus Zuckerrohr hergestellt werden kann. Wie bei der Produktion von Biodiesel werden auch für Bioethanol nur die energiehaltigen Teile der Pflanzen verarbeitet. Die CO2-Bilanz fällt allerdings ein bisschen besser aus als bei Biodiesel. Der großflächige Anbau von Energiepflanzen für Bioethanol kann ebenfalls zu Monokulturen führen und damit die Artenvielfalt und naturnahe Lebensräume zerstören. Wenn die Nachfrage nach Ethanol weiter ansteigt, kann es passieren, dass Weizen, Mais oder Zuckerrüben knapper und Nahrungsmittel deshalb teurer werden. In Mexiko protestierten die Menschen Anfang 2007 dagegen, dass immer mehr Mais nicht auf dem Teller, sondern über Umwege in den Tanks US-amerikanischer Geländewagen landet. In Deutschland beklagen sich Bierbrauer über die steigenden Preise für Braugerste. In der Folge könnte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis des Deutschen liebstes Getränk ebenfalls teurer wird.

NICHT EMPFEHLENSWERT

Produktion energieaufwändig, kleine Fahrzeugauswahl, kaum Tankstellen verfügbar, Regenwald in Gefahr, wegen Beimischungspflicht als Reinkraftstoff kaum bedeutend.

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