Agroethanol: Alkohol war noch nie die Lösung

Das sollten Sie besser nicht tanken. (Foto: www.pixelio.de)

Der Gedanke, mit Alkohol zu fahren, hat durchaus Charme. Allerdings sollten Sie nicht Ihren Whisky-Vorrat in den Tank kippen und los düsen. Agroethanol heißt der Kraftstoff fürs Auto, der aus Zuckerrohr, Zuckerrüben, Mais, Weizen oder Holz gewonnen wird. Er kann allerdings nur in speziellen Motoren verbrannt werden. Bisher bieten wenige Hersteller solche Flexifuel-Fahrzeuge an. Mit der zunehmenden Beimischung von Ethanol zu fossilem Benzin, verliert der »Reinkraftstoff« E85 allerdings an Bedeutung.

Tanken und Kosten

Agroethanol ist in Europa als »E 85« erhältlich – ein Gemisch aus 85 Prozent Agroethanol und 15 Prozent Benzin. In Deutschland bekommen Sie den Alkohol bisher an etwa 200 Tankstellen. Der Hersteller Saab wirbt mit den sportlichen Leistungen der Motoren, die den klopffesten Agrosprit optimal verbrennen. Allerdings steckt in einem Liter Ethanol etwa ein Drittel weniger Energie als in Benzin. Ein mit Agroethanol betankter Wagen verbraucht entsprechend mehr. Agroethanol ist noch bis 2015 von der Energiesteuer befreit, aber nur ca. 20 Cent günstiger als herkömmlicher Ottokraftstoff. Ethanol wird Benzin beigemischt zu 2,8%.

Umwelt

In Deutschland wird Agroethanol hauptsächlich aus Weizen gewonnen. Allerdings ist die Produktion energieaufwändig und teuer. Ein Großteil des in Deutschland getankten Agroethanols wird aus Südamerika importiert, weil es dort billiger hergestellt wird – allerdings ohne dass dezidierte Umwelt- und Sozialstandards  eingehalten werden. Dem Anbau von Zuckerrohr fällt vielerorts der Regenwald zum Opfer. Wie bei der Produktion von Agrodiesel werden auch für Agroethanol nur die energiehaltigen Teile der Pflanze verarbeitet. Die CO2-Bilanz fällt allerdings ein bisschen besser aus als bei Agrodiesel. Der großflächige Anbau von Energiepflanzen für Agroethanol kann zu Monokulturen führen und damit die Artenvielfalt und naturnahe Lebensräume zerstören. Wenn die Nachfrage nach Ethanol weiter ansteigt, kann es passieren, dass Weizen, Mais oder Zuckerrüben knapper und Nahrungsmittel deshalb teurer werden. In Mexiko protestierten die Menschen Anfang 2007 dagegen, dass immer mehr Mais nicht auf dem Teller, sondern über Umwege in den Tanks US-amerikanischer Geländewagen landet. In Deutschland beklagen Bierbrauer steigende Preise für Braugerste. Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis des Deutschen liebstes Getränk ebenfalls teurer wird.

NICHT EMPFEHLENSWERT

Produktion energieaufwändig, kleine Fahrzeugauswahl, kaum Tankstellen verfügbar, Regenwald in Gefahr, wegen Beimischungspflicht als Reinkraftstoff kaum bedeutend.

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