Agrokraftstoff: Meist nicht öko

- Sprit aus Raps ist nicht die Lösung. (Foto: www.pixelio.de)
Agrokraftstoffe sollen die Abhängigkeit vom Erdöl verringern und den CO2-Ausstoß im Straßenverkehr senken. Viele Unternehmen forschen und entwickeln – oft mit öffentlichen Geldern – an Lösungen, die unsere Autos künftig klimaverträglich antreiben sollen. »Agro« heißen die Kraftstoffe, weil sie aus nachwachsenden Rohstoffen, wie Raps, Getreide, Mais oder Holz gewonnen werden. Unterschieden wird zwischen Agrokraftstoffen der ersten Generation, bei denen lediglich ein Teil der Pflanzen für die Produktion genutzt wird (z.B. Agrodiesel, Agroethanol), und den Agrokraftstoffen der zweiten Generation, bei denen die gesamte Pflanze verarbeitet wird (z.B. Biogas, BtL).
Die Marktbedingungen für Agrokraftstoffe der ersten Generation haben sich allerdings deutlich verändert. Wichtig sind vor allem die Beimischungsquote zu Benzin und Diesel, sowie das schrittweise Anheben der Steuersätze bei Agrodiesel und Pflanzenöl. Bis 2012 werden deren Steuersätze herkömmlichem Diesel angeglichen (Agroethanol bleibt noch bis 2015 steuervergünstigt). Bedingt durch diese Änderungen haben Agrokraftstoffe in Reinform perspektivisch immer weniger Bedeutung. Es wird in Zukunft eher darum gehen, dass die beigemischten Agrokraftstoffe Umwelt- und sozialverträglich produziert werden. Der VCD fordert in diesem Zusammenhang eine umfassende Zertifizierung von Agrokraftstoffen.
Kraftstoffe der zweiten Generation, wie z.B. BtL sind dagegen noch Zukunftsmusik, auch wenn Tests durchaus positive Ansätze zeigen.
Umwelt
Obwohl sie aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, sind Agrokraftstoffe nicht per se ökologisch. Zwar wird beim Verbrennen nur die Menge CO2 frei, die die Pflanzen beim Wachsen aufgenommen haben, aber die Produktion verbraucht viel Energie. Das Düngen der Anbauflächen setzt Treibhausgase frei und belastet den Boden. Außerdem führt der Agrosprit-Boom zu Monokulturen und verringert so die Artenvielfalt. Im schlimmsten Fall wird für den Anbau von Energiepflanzen Regenwald abgeholzt oder Nahrungsmittelproduktion verdrängt. Deshalb müssen bei der Agrosprit-Produktion strenge Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden, die allerdings noch zu definieren sind. Das Gleiche gilt natürlich auch für andere Bereiche der industriellen Landwirtschaft, wie z.B. der Futtermittelindustrie.
Hinzu kommt, dass beim Verbrennen einiger Agrokraftstoffe sogar mehr Schadstoffe frei werden, als bei Benzin und Diesel.
Beimischung
Agrokraftstoffe werden seit Anfang 2007 in zunehmender Menge Benzin und Diesel beigemischt. Bei Benzin sind es 2009 mindestens 2,8 Prozent Agroethanol, bei Diesel 4,4 Prozent Agrodiesel, jeweils bezogen auf den Energiegehalt. Die Bundesregierung möchte die Beimischung in Zukunft allerdings langsamer erhöhen, als ursprünglich geplant. Hauptgründe dafür sind auftretende Motorprobleme beim höheren Agrokraftstoffanteilen (besonders die Beimischung von Ethanol ist für manche Benziner ein Problem), sowie starke Bedenken bezüglich der Nachhaltigkeit von Agrokraftstoffen. Das gilt besonders, wenn sie aus Lateinamerika, Asien oder Afrika importiert werden. An Nachhaltigkeitskriterien die auch soziale Aspekte beinhalten sollen, arbeitet die EU zurzeit. Um besser vergleichen zu können, soll zukünftig außerdem eine Berechnungsgrundlage erarbeitet werden, die die effektiven CO2 Ersparnisse durch Agrokraftstoffe angibt. Dabei werden dann Produktions- und Transportaufwand mit einbezogen.
Warum spricht der VCD von »Agro-« und nicht von »Biokraftstoffen«?
Die Vorsilbe »Bio« suggeriert bei den Meisten, dass es sich um umweltverträgliche Produkte handelt. Im Lebensmittelsektor ist sie deshalb auch geschützt und kann nur für Produkte aus kontrolliert biologischer Produktion verwendet werden. Lange Zeit wurden alle Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen automatisch auch als Biokraftstoffe bezeichnet, unabhängig von den Produktionsbedingungen. Da sich in letzter Zeit aber immer mehr Beweise für Umweltschäden durch Anbau von nachwachsenden Rohstoffen finden, ist die Bezeichnung als »Bio« stark in die Kritik geraten.
Aus Sicht des VCD ist es passender, statt von Bioethanol und Biodiesel von Agroethanol und Agrodiesel zu sprechen. Bei Biogas/Biomethan wird die Bezeichnung bis auf weiteres beibehalten, da es vorrangig aus Reststoffen und Abfallprodukten hergestellt wird.