Elektroantrieb: Treibstoff aus der Steckdose

bisherige Elektrofahrzeuge sind Nischenprodukte. (Foto: Twike)

Bereits seit dem 19. Jahrhundert ist der Elektroantrieb für Autos bekannt, fristete aber in den letzten Jahrzehnten nur ein Nischendasein. Und das, obwohl elektrischer Strom, sein Treibstoff, überall verfügbar ist. Bisher sind Elektroautos verschiedener Größe und Reichweite vor allem als Ein- oder Zweisitzer im Einsatz, welche allerdings nur eingeschränkt nutzbar sind und nicht für die breite Masse interessant. Bundesweit waren 2010 rund 2.300 reine Elektrofahrzeuge unterwegs und es wurden ca. 500 neu zugelassen.

Doch mit den seit diesem Jahr von den Autoherstellern erstmals angebotenen vollwertigen Elektrofahrzeugen soll der Anteil deutlich steigen. Dabei handelt es sich um Pkw, die größere Reichweiten, höhere Geschwindigkeiten und mehr Komfort aufweisen als bisherige Elektromobile. Diese Fahrzeuge sind gegenwärtig in diversen Pilotprojekten in mehreren deutschen Städten unterwegs. Die  Bundesregierung möchte Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität machen und hat für das Jahr 2020 das Ziel von 1 Mio. Elektroautos auf deutschen Straßen ausgegeben. Ob dieses Ziel erreicht wird ist fraglich. Für die Marktdurchdringung ist neben deutlich geringeren Kosten – insbesondere für die Batterien – auch eine andere Mobilitätskultur nötig.       

Tanken und Kosten

Elektroautos benötigen Strom, den Sie über eine herkömmliche Haushaltssteckdose beziehen können. Doch gerade in Städten, die für den Einsatz von Elektrofahrzeugen prädestiniert sind, parken die meisten Fahrzeuge im öffentlichen Straßenraum – ohne Zugang zum eigenen Stromanschluss. Aus diesem Grund werden vielerorts öffentliche Ladesäulen errichtet. Werden über die Steckdose acht Stunden lang 2.000 Watt abgezapft (das ist in etwa der Verbrauch eines handelsüblichen Föhns), können einem Elektrofahrzeug-Akku 16 Kilowattstunden (kWh) zugeführt werden. Damit kann beispielsweise ein Elektro-Smart, wie er derzeit als Prototyp unterwegs ist, etwa 135 Kilometer weit fahren. An den öffentlichen Ladesäulen wird der Akku aufgrund wesentlich stärkerer Stromanschlüsse deutlich schneller geladen. Allerdings ist noch nicht endgültig geklärt, wie sich ein derart schnelles Laden auf die Lebensdauer des teuren Akkus auswirkt. Ob zu Hause oder an Elektrotankstellen, für den Ladevorgang zahlen Sie die Stromkosten pro Kilowattstunde.

Mit einer Batterieladung können gängige Elektroautos etwa zwischen 70 und 200 Kilometer zurücklegen – für die Mobilität in Städten und deren Umland ausreichend. Bei niedrigen Temperaturen und beim Einsatz elektrischer Helfer wie Klimaanlage und Heizung verringert sich die Reichweite erheblich. Hier besteht noch Forschungs- und Entwicklungsbedarf.  

Umwelt

Elektroautos sind leise und stoßen bei der Fahrt keine Abgase aus. Sie besitzen einen hohen Wirkungsgrad von rund 90 Prozent von der Batterie zum Motor und weisen somit deutlich weniger Energieverluste auf als herkömmliche Antriebe. Entscheidend für die Umweltbilanz ist die Art der Energiegewinnung. Rechnet man mit dem bundesweiten durchschnittlichen Strommix, erreichen heutige Elektroautos, die etwa zwischen zehn und 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer verbrauchen, im Schnitt keine wesentlich besseren CO2-Werte als Autos mit modernen, verbrauchsarmen Verbrennungsmotoren. Der CO2-Ausstoß kann dabei zwischen 60 und 120 Gramm pro Kilometer liegen – eine sehr große Spanne. Wird ein solches Elektroauto hingegen mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt, so betragen die CO2-Emissionen lediglich rund 10 Gramm pro Kilometer. Nur mit Ökostrom haben Elektrofahrzeuge also einen wirklichen CO2-Vorteil. Noch ungeklärt ist die Höhe des Ressourcenaufwandes für die Herstellung und das Recycling des Energiespeichers.

EINGESCHRÄNKT EMPFEHLENSWERT

Die ersten vollwertigen Elektroautos sind auf dem Markt, weitere folgen. Das Interesse ist zwar immens, doch angesichts der hohen Anschaffungskosten rechnen sich die Fahrzeuge derzeit – vor allem für private Nutzer – nicht. Doch für Pioniere, denen Reichweiten bis 200 Kilometer genügen, die über einen eigenen Stromanschluss verfügen und bereit sind, 30.000 bis 40.000 Euro für einen Kleinwagen auszugeben, sind Elektroautos eine Option, allerdings nur mit Ökostrom!

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