Wasserstoff: immer noch Zukunftsmusik
Fast alle Autohersteller kündigen seit Jahren Brennstoffzellenfahrzeuge an, die mit Wasserstoff einen Elektromotor antreiben. Aus dem Auspuff käme dann nur harmloser Wasserdampf. Doch bis es diese Autos in Serienreife gibt, vergehen noch mindestens 20 Jahre.
Wasserstoff kann auch in Verbrennungsmotoren eingesetzt werden. Genauso wie bivalente Gasfahrzeuge haben diese Autos zwei Tanks, das heißt, die Motoren laufen sowohl mit Wasserstoff als auch mit Benzin. BMW hat eine Wasserstofflimousine in Miniserie auf den Markt gebracht. Nur ausgewählte Kunden sollen diese Fahrzeuge leasen können.
Tanken und Kosten
Ob Brennstoffzelle oder Verbrennungsmotor: Das größte Hindernis für den Einstieg in eine Wasserstoffwirtschaft ist die Produktion. Reiner Wasserstoff kommt auf der Erde nicht vor, er muss energieaufwändig hergestellt werden – zurzeit überwiegend aus fossilem Erdgas oder indem Wasser per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird. Probleme bereitet auch die Speicherung: Um Wasserstoff zu lagern, ist ein sehr hoher Druck von 700 Bar nötig. Alternativ kann der Wasserstoff auch bei minus 253 Grad Celsius verflüssigt werden. Beides ist selbst mit teurer Hochtechnologie nicht möglich. Derzeit erwärmt sich noch jeder Wasserstofftank langsam aber sicher, so dass eine Autotankfüllung spätestens nach zwei Wochen verdunstet ist.
Gerade einmal sechs Wasserstoff-Tankstellen gibt es in Deutschland. Noch tanken dort nur einige wenige Versuchsfahrzeuge und wasserstoffbetriebene Busse. Der Aufbau einer flächendeckenden Tankstelleninfrastruktur wird schätzungsweise zwölf bis 20 Milliarden Euro kosten. Wasserstoff wird zurzeit subventioniert, er ist aber immer noch deutlich teurer als Benzin und Diesel.
Umwelt
Solange Wasserstoff aus fossilen Kraftstoffen oder mit Atom- bzw. Kohlestrom hergestellt wird, ist er aus Klimasicht keine Alternative. Ökologisch sinnvoll ist Wasserstoff nur dann, wenn er mit erneuerbaren Energien erzeugt wird. Für Umwelt und Klima ist es allerdings noch besser, regenerative Energien nicht zum Spalten von Wasseratomen für den Autotank zu verwenden, sondern zur Stromerzeugung und zum Heizen.
